Red Bull Tri Islands

Am Freitag, dem 22.07., machten sich Timm, Frank, Manuela und ich uns auf nach Föhr, um an der zweiten Ausgabe des Red Bull Tri-Islands Triathlons teilzunehmen, der am Folgetag stattfinden sollte. Für Frank und Manuela war es eine Rückkehr, denn sie waren schon 2015 gestartet und hatten noch nicht genug bekommen. 600 Sportlerinnen und Sportler hatten sich vor 7 Monaten für dieses besondere Event angemeldet, dann war die maximale Teilnehmerzahl erreicht.
Die Disziplinen 2016: Eine Wattwanderung von Utersum auf Föhr zur Amrumer Nordspitze. Von dort startet dann der echte Triathlon. Die Schwimmstrecke beträgt ca. 3km zurück nach Föhr, denn man muss wegen der Strömung bei auflaufendem Wasser in einem Bogen schwimmen, um den richtigen Ausstieg an der Wechselzone zu erreichen. Im Anschluss sind auf der Insel eine große und eine kleinere Radrunde über insgesamt 40km zu bewältigen, um danach mit dem Speedboat in 12er Gruppen zur dritten Etappe, einem 10,5km Lauf auf der Insel Sylt, gebracht zu werden. Es fahren immer 12 Triathleten in einem Boot. Die ersten müssen also auf nachfolgende Sportler warten, um das Boot aufzufüllen. So können sich Wechselzeiten verlängern.


Ein besonderer Kick: Das „Knock-Out Kriterium“: Man muss das Schwimmen und Radfahren in maximal 2:30h bewältigen, weil dann das letzte Shuttle-Boot ablegen würde. Für uns vier sollte das eigentlich kein Problem sein, wenn uns nicht ein technischer Defekt in die Quere kommen würde.
Am Freitag reisten wir alle an. Registrieren, Rad und Helm einchecken und im Anschluss einen Platz auf dem Event-Campingplatz, einem abgemähten Feld, suchen. Danach ging es zum BBQ neben der Wechselzone. Eigentlich hatten wir mehr erwartet, aber es gab – Albtraum für Vegetarierer und Veganer – nur Schweinesteak oder Würstchen im Brötchen. Beilagen? Nachtisch? Kaffee? Fehlanzeige. Dafür jedoch Energy Drinks satt sowie alkoholfreies Hefeweizen und Bier.
Viele bekannte Gesichter aus unseren Nachbarvereinen waren ebenfalls am Start. Dazu noch der Vorjahressieger Jonas Schomburg, ein Profitriathlet aus Hannover, der in Rio für die Türkei starten wird, sowie der Ironman Europameister Sebastian Kienle, den ich mir größer vorgestellt hatte und der wegen seines Caps, der Haare und Körperhaltung eher aussieht wie ein Skater und nicht wie einer der besten Langstreckentriathleten der Welt.
Jan Regenfuß, der sportliche Leiter, und Renndirektor und erster deutscher Triathlonweltmeister über die olympische Distanz, Daniel Unger, hielten eine kurze Ansprache über die Organisation und das Rennen am Samstag. Mein Highlight der Rede war der Teil über die Verpflegung: Nach der Wattwanderung bei Ankunft auf der Insel Amrum um ca. 12:00 Uhr sollte es Verpflegung in Form von Clif Bars, eine Art Müsliriegel, Obst, Energy Drinks und Wasser geben. Auf die Nachfrage, wie es denn vorher mit dem Frühstück sei, sagte Jan: „ Frühstück? Äh, habt Ihr nichts dabei?“ Es gab großes Gelächter. Es wurde deutlich, dass niemand damit gerechnet hatte, dass das Frühstück nicht vom Veranstalter organisiert werden würde. Es musste also am Renntag etwas improvisiert werden.
Das Wetter war das ganze Wochenende großartig: sonnig und warm. Nach einer kurzen Nacht, schlafen konnte ich nicht besonders gut wegen der Unruhe auf dem Campingplatz und der Vorfreude auf den Wettkampf, ging es um 6:30 schnell zum Dorfbäcker, um Kaffee und Brötchen zu erstehen. Die Schlange war schon lang. Hier war niemand auf den Ansturm hungriger Triathleten und deren Angehörigen vorbereitet.
Bis 8:45 Uhr konnten wir noch einmal in die Wechselzone, um Laufschuhe, Startnummer and anderes zu drapieren. Kurz danach ging es dann zur Wattwanderung nach Amrum. Wir hatten nur die Dinge dabei, die wir zum Schwimmen brauchen würden. Wer gedacht hatte, wir würden nur die Schwimmstrecke abgehen, wurde eines Besseren belehrt, denn aufgrund der Lage der Priele, Wasserläufe im Watt, die auch bei Ebbe mit Wasser gefüllt sind, mussten wir große Umwege gehen. Zuerst ging es 2km am Deich entlang bis wir zum Übergang kamen, wo Wattführer auf uns warteten.
Das Watt ist ein streng geschütztes Naturschutzgebiet, und die Ansagen waren klar: Hier bleibt kein Müll liegen und niemand pinkelt in die Wallachei. In Gruppen von 50-100 Personen ging es dann los. Die Sonne brannte dabei schon morgens, sodass sich schon nach kurzer Zeit einige Sportler, die keine Mützen oder Caps dabei hatten,  die Köpfe mit T-Shirts bedeckten, um sich zu schützen.
Es war ein ungewöhnliches Bild, die Gruppen mit den Starterbeuteln im Watt zu sehen. Unser Wattführer gab ab und zu Erklärungen zu Prielen, Watt und Wattwürmern, der Schutzfunktion der Inseln für das Festland, Gezeiten und der pazifischen Auster, die sich leider im Watt angesiedelt hatte und keine natürlichen Feinde hat. Auf die musste man achten, wollte man sich nicht verletzen, denn die Schalen der Muscheln sind messerscharf.
Ansonsten schnackten die Teilnehmer viel über den bevorstehenden Wettbewerb oder schwelgten in Erinnerungen anderer Wettkämpfe oder fragten sich: Wann sind wir endlich da? Frank und ich bewältigten die Strecke teilweise gemeinsam.
Um kurz vor 12:00 erreichten wir den Sand Amrums. Wer dachte, wir würden uns dort gleich hinlegen und auf die Flut warten, lag falsch. Es ging weitere 1,5km am Strand und an den Dünen entlang bis zur nächsten Straße. Dort war das Camp aufgebaut, wo es etwas zu essen und zu trinken und Dixies gab, aber keinen Schatten. Die ersten 8km waren bewältigt.
Auch Jonas Schomburg und Sebastian Kienle sowie die Vorjahressiegerin Hanna Kristina Winckler, die in der 2. Bundesliga startet, waren mit uns gewanderten und warteten nun auf die Wettkampfbesprechung um 13:45 durch Jan Regenfuß und Daniel Unger. Der wichtigste Teil dabei war die Beschreibung der Schwimmstrecke. Vier verankerte gut sichtbare Katamarane würden uns den Weg in einem Bogen zum Schwimmausstieg in Utersum zeigen. Die Wassertemperatur lag bei 18°C, das Wasser sollte praktisch auf der gesamten Strecke nur so tief sein, dass man überall stehen konnte (sogar Frank!). Außerdem gab es keine Wellen und wenig Wind. Es war angerichtet!
Im Anschluss wurden dann die schwarzen Neos bis zur Hüfte angezogen und die Beutel mit den Wechselklamotten in einem Sprinter abgegeben, bevor sich die Meute zurück zum Start begab, wo mittlerweile der Torbogen des Sponsors aufgeblasen worden war.
Pünktlich um 14:30 erfolgte der Startschuss. Timm, Frank und ich standen dabei dicht beieinander und liefen eher im mittleren Tempo hinter den Heißdüsen in das auflaufende Wasser. Ich wollte nicht übertreiben und dann nach 200m Kraulen japsend nach Luft schnappen.
Platz war genügend da. Es gab praktisch kein Gekloppe und ich kam schnell in einen guten Rhythmus. Dabei lief wieder einmal Wasser in die Brille – hab ich einen so krummen Kopf, dass keine Brille dicht hält? So suchte ich mir eine Sandbank, ließ das Wasser raus und orientierte mich, wo die Katamarane lagen.
Das Gefühl, in der Nordsee zwischen zwei Inseln zu schwimmen, war etwas Besonderes für mich. In den flacheren Bereichen lag die Wassertemperatur eher bei 25°C, wenn man dann wieder einen Priel erreichte, wurde es deutlich kälter als die angegebenen 18°C.
Nach 51 Minuten erreichte ich Föhr. Manuela war knapp 1 ½ Minuten vorher auf der Insel, und Timm und Frank kamen kurz nach mir an Land. Alle waren mit dem Schwimmen zufrieden. Ich hätte gedacht, dass ich mit meiner Zeit nicht nur als 80ter von 509 Gestarteten an Land gekrabbelt wäre.
Die Stimmung am Ausstieg war super. Man lief durch einen schmalen Korridor klatschender Zuschauer in die Wechselzone, die auf einem Rasenplatz eingerichtet war. Das Fahrrad war schnell gefunden. Es ging bei wenig Wind auf die flache, schnelle Radstrecke. Das Feld war war weit auseinandergezogen. Ich konnte eher wenig Grüppchen beobachten. Die meisten schienen sich fair zu verhalten. Für meine Verhältnisse lief das Radfahren gut. Das linke Knie zwickte nicht.
5km vor Ende des Radkurs überholte mich Timm und ich dachte, ich würde parken. Nach einem kurzen und vergeblichen Versuch, sein Tempo mitzugehen, konzentrierte ich mich wieder auf mein Rennen und war foh, dass alles ohne technische Probleme lief und ich die Boote wohl rechtzeitig erreichen würde. Timm benötigte mit der 48 besten Radzeit nur 1:04:22, Frank schaffte eine 1:05:11 (71.).
Nach 1:06:43 kam ich das zweite Mal in die Wechselzone (112.). Ich hatte mir einen Beutel mit einem Sweat Shirt für die windige Überfahrt im Speed Boat nach Sylt gepackt, zusätzlich waren etwas zu trinken und Socken in der Tüte. Nur die Schuhe wurden sofort angezogen bevor es zum Anleger ging, wo ich mein Ticket für die Überfahrt bekam. Damit war das wichtigste Ziel erreicht – ich würde das Ziel auf Sylt sehen!
Es waren so viele vor mir, dass ich ein Boot warten musste, bevor ich meinen Platz als 5. Von 12 Mitfahrenden hinter dem Kapitän einnehmen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass mein Bootsführer nicht der schnellste war. Alle Versuche, ihn zum Schnellerfahren zu provozieren, schlugen fehl. So war die zweite Wechselzeit, zu der die Fahrt im Speed Boat gehörte, mit 23 Minuten eher langsam. Es gab viele Wechselzeiten von gerade mal 20-21 Minuten. Jeder kann sich vorstellen, wie nervig es ist, 2 Minuten beim Wechseln zu verlieren und das nicht beeinflussen zu können!
Da es wenig Wind und Wellen gab, war der Transfer nach Sylt eher unspektakulär und kein Vergleich zur Erstauflage im Jahr 2015, bei dem die Teilnehmer in den Booten über die Wellen sprangen und die Gischt in die Boote spritzte.
Im Hafen Hörnums wurde angelegt, über eine steile Rampe ging es an Land und ich freute mich auf das Laufen. Es galt, schnell einen Rhythmus zu finden und am Anfang nicht gleich zu überpacen, denn die Laufstrecke hatte es in sich. Nach knapp einem Kilometer gab es die Bergwertung, den steilsten Anstieg des Rennens zur Spitze einer Düne. Der Co-Sponsor Jeep prämierte die beste Zeit in dem Streckenabschnitt mit einem Monat Freifahrt in einem Jeep Renegade. Ich war auf eine gute Gesamtzeit aus und wollte nicht mehr Kraft als nötig verbrauchen. So lief ich nur flott hinauf und brauchte knapp 20 Sekunden länger als der Tagessieger dieses Abschnitts. Timm, Manuela und Frank machten es ähnlich.
An der Jugendherberge und dem Pidder Lüng Haus vorbei ging es zur Straße nach Rantum. Es lief nicht schlecht, auch wenn ich merkte, dass ich beim langen Schwimmen und dem Radfahren schon einige Federn gelassen hatte. Ich konnte mich auf knapp 30m an Thorsten Schröder vom FC St. Pauli herankämpfen, der mich auf dem Rad kurz nach Timm überholt hatte. In den letzten Vergleichen in der Landesliga konnte ich ihn hinter mir lassen. Das war auch auf Sylt das Ziel.
Als es dann bei km 7 über die nächste Düne durch weichen Sand an den Strand ging, war jedoch der Ofen bei mir aus – ich musste am Anstieg gehen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal bei einem Wettkampf gehen musste! Am Strand lief ich weiter und sehnte den Zielbogen herbei. Für die anfeuernden Strandurlauber hatte ich oft nur ein müdes Handzeichen des Dankes übrig. Neben dem weichen Sandbogen machte mich auch die Hitze von fast 30°C fertig.
Einen Kilometer vor dem Ziel ging es erneut über eine Düne ins Hinterland. Hier gab es am Hörnumer Leuchtturm die einzige kurze Passage mit Schatten, als wir durch ein Wäldchen liefen. Nur noch ein kleiner Anstieg, dann waren wir wieder am Strand. Meine Mitläufer wählten den längeren Weg auf festerem Untergrund an der Wasserlinie. Ich wollte keinen Schritt mehr als nötig machen und lief querfeldein zum Ziel und konnte so noch zwei Plätze gut machen.
Hinter der Ziellinie machte ich es mir erst einmal im Sand im Schatten eines Werbebanners bequem. Ich war lange nicht mehr so platt, wie nach diesem langen Tag. Timm, der drei Minuten vor mir im Ziel war, entdeckte mich und versorgte mich mit einer Flasche Wasser. Als ich nach einigen Minuten wieder aufstand, sah ich bei all dem Sand an mir aus wie ein parniertes Schnitzel. Den Sand wurde ich an einer kalten Stranddusche los. Normalerweise hasse ich es, kalt zu duschen. Hier war das einfach nur erfrischend.
So erfrischend wie drei alkoholfreies Hefeweizen, die mir Energie zurückgaben, bevor ich mich zum „Hans Grohe Dusch-Truck“ mit einer Auswahl an Hightec-Duschen aufmachte. Das war ein gutes Marketing des Herstellers und für uns Sportler ein guter Ort, den Schweiß vor der großen Party auf dem Schiff, das uns nach Föhr zurückbringen sollte, loszuwerden.
Die MS Koi legte etwas verspätet um 20:30 ab. An Bord die 421 Sportler, die es innerhalb der 2:30h in die Boote nach Sylt geschafft hatten sowie diverse ehrenamtliche Helfer, Mitarbeiter der Sponsoren und einige andere Gäste – und Timms Freundin Elke, die es irgendwie auf Föhr geschafft hatte, sich ein Armband von Red Bulll zu besorgen, ein Boot nach Sylt zu erwischen und nun mit uns auf dem Oberdeck des Schiffes tanzte und feierte.
Zwei Stunden später legten wir zum erstenmal in Wyk (nicht Wiek, sondern Wück gesprochen) an, um diejenigen von Bord zu lassen, die genug hatten, und andere zusteigen zu lassen, die den Cut nach dem Radfahren in Utersum nicht geschafft hatten. Frank, Timm, Elke und ich blieben weiter auf der MS Koi und hofften, dass der DJ doch noch seine rockige Seite entdecken würde. Leider war das nicht der Fall. Aber wir hatten noch weitere zwei Stunden Spaß bevor die Party mit dem Lied „Westerland“ entgültig ausklang. Als wir um 3:00 Uhr an unseren Zelten ankamen, waren wir alle zufrieden nach einem guten Wettkampf und dem netten Rahmenprogramm.
Mein Fazit: Thorsten Schröder war an diesem Tag einfach besser, genauso wie Timm. Bei gutem Wetter ist dieser Wettkampf ein echtes Highlight und jedem zu empfehlen – sogar dann, wenn man Veranstaltungen dieses Brauseherstellers skeptisch gegenübersteht. Worauf sollte man achten: beim Wattwandern gut eincremen, eine Kopfbedeckung mitnehmen, schon hier viel trinken, selbst, wenn man keinen Durst verspürt. Und vor allem sollte man trainieren, damit man die 10,5 Kilometer in eher 49 Minuten zurücklegt und nicht in 52:57. Ein wenig tröstend dabei ist, dass meine mäßige Zeit immer noch die 39 beste des Tages bedeutete.
Nächstes Jahr noch einmal? Unbedingt! Kommt Ihr mit?

Stephan


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